Judith Kerndl

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Vom Missverständnis alles verstanden zu haben

 

Judith Kerndl ist gebürtige Waldviertlerin, aufgewachsen in Langschlag bei Zwettl. Für kreative Frühförderungen gab es zwar kaum Mittel, jedoch brannte ihre Faszination für bildender Kunst bereits früh. Mit 17 vollendete sie eine gastronomische Ausbildung, zog nach Wien und arbeitete fortan in der Gastronomie. Das Studium an der Akademie der bildenden Künste ging nur schleppend voran. Freischaffende Künstlerin zu werden stand nie zur Debatte - zu wage schien die finanzielle Absicherung, zu diffus das Kunststudium.

 

Ich schlage mit meinen Bildern einen sehr konservativen Weg ein. Zum größten Teil produziere ich Bilder auf genormten Formaten, die dazu gedacht sind an geraden Wänden zu hängen. Die Kunst selbst, ihre Erzeuger und dessen Manifeste haben sich ja bereits vor vielen Jahren von jeder Norm und Logik freigesprochen und den Irrsinn salonfähig gemacht.

Heute denke ich, nicht dem Mainstream zu folgen, ist ebenfalls Mainstream. Mich stört, dass Kunst immer einen tieferen Zweck erfüllen muss. Ich und viele Zeitgenossen wollen auf diesen Zug gar nicht mehr aufspringen. Ein Bild oder ein Objekt muss, genau wie ein musikalisches Werk, frei sein und für sich stehen dürfen. Ich verwende meine Bilder nicht aus Sprachrohr. Sie können reden, müssen aber nicht. Ich habe nicht die Geduld zu jeder mir wichtigen Frage ein Bild anzufertigen. Wenn ich eine Aussage zu machen habe, rede oder schreibe ich darüber. Das geht schneller und beugt Missverständnissen vor. Meine Bilder sind einfach zum Betrachten und Nachdenken da.“

 

Nach vielen Pausen künstlerischen Schaffens und einem kurvenreichen Karriereweg, entschied sich Judith Kerndl schließlich doch für ein Leben mit der Kunst. Soviel Zeit und Mühe es auch kostet für die Instandhaltung des Ateliers zu sorgen, soviel Freude macht es auch, sich nach Gutdünken der freien Arbeit hinzugeben. Malerei, Grafik und Druckgrafik, Zeichnung und Fotografie.

 

Früher habe ich einfach Alles mit Allem kombiniert. Der Fokus auf die Arbeit mit dem Fineliner ist recht neu. Zur Zeit ist das Endprodukt eben eine klassische Zeichnung: schwarze Linie auf weißem Grund. Mir ist bewusst, dass dies nur eine Phase ist. Manchmal glaube ich zu wissen, dass mir nach der Zeit mit dem Zeichenstift wieder eine Pinselphase bevorsteht. Aber es ist nicht wichtig sich festzulegen. Ich neige zu erfolgsorientierten oder logistisch begründeten Entscheidungen. Das liegt auch daran, dass die Kunstbranche an sich ein profit- und terminorientiertes Naturell besitzt. Es ist nicht ratsam offenen Rechnungen intuitiv zu beglichen. Genauso entsteht mein Bild in einem logisch begründeten „Schaffens-Frame“. Eingegrenzt durch Vorgaben wie den Zeit, Raumgröße, Lichtverhältnisse, Abluft und Raumtemperatur, Materialien und Malmittel bis hin zu anatomischen Aspekten. Die wichtigsten Entscheidungen werden also getroffen noch bevor der erste Strich getan ist. Darum lässt sich zum oft banalen Schaffensprozess nicht mehr so viel erzählen, wie oft vermutet wird.“

 

Die hier gezeigten Zeichnungen sind mit Pigmentlinern einer durchschnittlichen Strichstärke von 0,3 Millimetern angefertigt. Die Serie trägt den Titel „Patina“. Hier wird die Ästhetik von Verfall und Vergänglichkeit in einer architektonischen Sprache der natürlichen Patina gegenübergestellt.

 

Die heute dreißigjährige lebt und arbeitet in Wien als freie Künstlerin und Filmrequisiteurin.